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  • Ein Stück Heimat am Mount Everest

Ein Stück Heimat am Mount Everest

Physiotherm | Julia Kopp | Vor 7 Monaten

Du organisierst Touren und Expedition für andere – ohne die eigene Leidenschaft für den Bergsport würde das vermutlich nicht funktionieren. Woher kommt sie bei dir, diese Leidenschaft für die Berge?
So wie das in Tirol eben passiert: Ich war von klein an in den Bergen unterwegs – beim Bergsteigen, Klettern, Ski fahren oder Skitouren gehen. Nachdem ich das meiste in den Alpen gemacht habe, hat’s mich halt rausgezogen. Etwas ungewöhnlich war bei mir eventuell, dass ich für diese extremen Touren in Südamerika oder Nepal sehr jung war. Normalerweise macht man das alles erst mit 30, 40. Aber mir war einfach schnell klar: „Das ist meine Welt“.

Worin liegt der Reiz, so extreme und auch gefährliche Expeditionen zu machen?
Mit dieser Frage haben sich schon viele beschäftigt und kommen zum Teil auch zur sehr unterschiedlichen Antworten. Es hat aber – und da sind sich auch Psychologen einig – sicher etwas mit einer Sucht zu tun. Auch wenn ich den Begriff „Adrenalinsportart“ nicht ganz passend finde, geht es schon auch um das Gefahrenpotential. Du setzt dir Ziele, du riskierst und wenn du dann aus der Gefahr raus bist, wenn du es geschafft hast – das ist schon ein gutes Gefühl.
Vor allem ist es aber der Berg als unregulierter Raum, der den Reiz ausmacht. Am Berg darf man riskieren, verrückte Sachen machen und darf dabei sogar sein Leben riskieren. Vor allem in den jungen, wilden Jahren – die fast jeder Bergsteiger durchmacht – riskiert man viel. Wenn man die überlebt ist man dankbar und auch ruhiger.

War es schon einmal knapp bei dir?
Ja, immer wieder. Im Rückblick denkt man auch an diese Situationen zurück und ist dankbar, sie überlebt zu haben.

Ist man sich dieser unmittelbaren Gefahr in dieser Situation bewusst? Kann man Angst ausblenden?
Ja, man ist sich der Gefahr durchaus bewusst, nimmt sie aber als Teil dieses Sports an. Du weißt vorab, aus was du dich einlässt und was du riskiert. Je älter man wird, desto vorsichtiger geht man aber damit um. Für mich waren die Kinder der ausschlaggebende Grund, die riskanten Touren vorerst bleiben zu lassen. Auch die Erfahrung, Bergkameraden zu verlieren, verändert die Herangehensweise. Man hört nicht auf, aber man wird besonnener.

Wie kam es dann letztendlich zur Geschäftsidee und Firmengründung von Furtenbach Adventures?
Ich habe vor etwa 20 Jahren begonnen, eigene Expeditionen zu organisieren. So bin ich langsam in das Thema reingewachsen. Bei meinen eigenen Touren konnte ich auch die kommerziellen Expeditionen beobachten und habe immer wieder bemerkt, wie veraltet deren Konzepte waren und wie viel Verbesserungspotential es in dieser doch recht traditionellen, verstaubten Branche geben würde.

Was ist das Konzept hinter Furtenbach Adventures?
Auch wenn natürlich alle Entscheidungen in letzter Instanz vom Bergführer getroffen werden, sehen wir uns vor allem als Dienstleister. Wir wollen dem Kunden im Rahmen des Möglichen seine Wünsche ermöglichen. Wir maßen uns dabei auch kein moralisches Urteil über den alpinistischen Wert bestimmter Herangehensweisen oder Touren an. Die Teilnehmenden wählen wir so aus, dass sie die Expedition prinzipiell schaffen können.

Nach welchen Kriterien werden die Teilnehmenden ausgewählt?
Wir lassen uns von jedem Interessierten eine Bergsteiger-Vita zukommen und führen Gespräche mit den Kandidatinnen und Kandidaten. Falls wir uns unsicher sind, machen wir gegebenenfalls auch Probetouren, um einen besseren Eindruck zu bekommen.
Bei der Auswahl geht es natürlich auch um den Faktor Sicherheit – unser wichtigstes Ziel ist es, die Teilnehmenden heil auf den Gipfel und wieder zurück zu bekommen.

Im Mai 2018 findet die erste „Everest Flash“ Expedition statt: In nur 4 – statt der üblichen 8 Wochen – sollen die Teilnehmenden auf den Gipfel des Mount Everest und wieder zurück kommen. Wie ist die Tour so schnell machbar? Was ist die Idee dahinter?
Die Idee zu einer Flash Tour ist über lange Zeit gewachsen. Ich war vor 20 Jahren bei einer medizinischen Studie zur Vorakklimatisation an der Uni Innsbruck dabei. Damals wurde mit einer Hypoxiekammer gearbeitet, in der die Höhe simuliert wurde. Auf meinen Expeditionen habe ich schnell gemerkt, dass diese Form der Vorakklimatisation super funktioniert und sofort gewusst, dass hier die Zukunft des Hochbergsteigens liegt.
Im hart umkämpften Everest Markt habe ich letztendlich auch nach etwas gesucht, das mich vom Markt abhebt. Die Entwicklung der Flash Tour war eine Marktlücke. Vor allem weil wir mit unseren Angeboten ein Kundensegment ansprechen, in dem Zeit ein limitierender Faktor sein kann. Viele können nicht ohne Weiteres 8 bis 9 Wochen für eine Expedition einplanen. Inzwischen gibt es ja auch sehr gute und relativ günstige Hypoxiesysteme für Zuhause. Die Teilnehmenden schlafen schon vor der Tour – unter Anleitung von Profis – in den Hypoxiezelten und sind so schon bei der Anreise vorakklimatisiert, die Zeit für den Aufstieg kann so verkürzt werden.

Vor allem Everest Expedition werden von vielen Seiten dafür kritisiert, zu kommerziell zu sein. Wie siehst du das Thema Kommerzialisierung und Bergsport?
Zum Teil hat Kritik daran schon ihre Berechtigung. Aber bei dem Thema müsste man woanders anfangen. In den Alpen hat dieses Phänomen, das Bergsteigen zu kommerzialisieren, ja begonnen. Auf Alpengipfeln – Matterhorn, Großglockner oder ähnlichen – haben wir 30.000 Leute pro Jahr. Am Everts haben wir 400 im Jahr. Da sind wir noch weit entfernt von dem, was in den Alpen passiert. Die Kritik, wir würden den Everest zu sehr kommerzialisieren, finde ich in dem Zusammenhang etwas skurril.

Wie siehst du hier die Entwicklung in den nächsten Jahren?
Es wird auch weiter Billiganbieter geben, bei denen die Sicherheit der Expedition-Teilnehmer nicht immer gegeben ist. Nepal kann – als Dritte Welt Land und als Land mit großen Korruptionsproblemen – den Everest Tourismus nicht wirklich kontrollieren. Man müsste die Anbieter am Berg regulieren, daran ist Nepal aber nicht interessiert. Über die Permits fließt sehr viel Geld, auf das die davon profitierenden Stellen auch nicht verzichten wollen. Die chinesische Seite wird dagegen vermutlich immer teurer, professioneller und sicherer werden.
Wenn die Flash Tour bei uns klappt, wird es in den nächsten Jahren mit Sicherheit viele Nachahmer geben und die Branche wird sich in den nächsten Jahren stark in diese Richtung entwickeln.

Eine Infrarotgondel ins Basislager zu stellen passt ja auch sehr zu diesem Image als Trendsetter. Wie kam’s zu der Zusammenarbeit?
Ich wollte eigentlich eine Sauna im Basecamp haben. Aufgrund der sehr restriktiven Bestimmung im Nationalpark war das jedoch nicht machbar. Beim Tiroler Innovationspreis bin ich dann aber mit Josef Gunsch ins Gespräch gekommen und hab ihm von meiner Idee erzählt, worauf er die Infrarotgondel vorgeschlagen hat. Das war natürlich perfekt: Sie kann gut transportiert werden, sie ergibt im Basecamp ein stimmiges Bild und sie ist eine praktische, kompakte Einheit. Mir ist dabei auch New Enerday und ihre Brennstoffzelle wieder eingefallen. Nachdem auch New Enerday mit an Bord war, hatten wir auch für das Problem der sauberen Energie eine Lösung.

Dein Team ist bereits vor Ort. Gibt es schon Feedback zur Infrarotgondel?
Die sind begeistert. Auch alle anderen im Camp, von anderen Expeditionen. Sie wird auch schon gut benutzt, es läuft alles super.

Was ist deiner Meinung nach der große Mehrwert der Infrarotkabine?
Es ist ja nicht unbedingt angenehm dort: Dir ist immer latent zu kalt und wenn du vom Hochlager zurück ins Basislager kommst, sind Tage hinter dir, in denen du kaum geschlafen hast, in denen du dauernd Kopfweh hattest und in denen du nicht wirklich essen konntest. Je mehr Komfort ich dann als Veranstalter im Basislager schaffen kann, desto besser ist es für die Regeneration. In der Infrarotgondel können die Bergsteiger abschalten und genießen den Geruch des Zirbenholzes. Das finde ich ja das besonders Schöne daran: Man riecht quasi Heimat, hat den direkten Blick auf den Berg und man hat es warm – das hilft enorm.

Wo liegt für dich die Zukunft von Furtenbach Adventures?
Wenn andere aufspringen und in den nächsten Jahren auch Flash Touren anbieten, haben wir wieder einen Preiskampf – und darum haben wir keine Lust. Schon alleine deshalb werden wir auch weiter versuchen Neues zu probieren und innovative Projekte anzugehen. Auch wenn dann anfängliche Kritik von außen kommt und auch wenn es viel Risiko bedeutet – ich will und kann es nur so machen.

Lukas Furtenbach ist Gründer und Geschäftsführer von Furtenbach Adventures, dem innovativste Veranstalter von individualisierten Heliskireisen, Expeditionen und exklusiven Abenteuerreisen. Geboren und aufgewachsen in den Bergen Tirols trieb ihn seine Sehnsucht als Schrimpsfischer in die USA, als Private Concierge nach Belize, als Flyfishing Guide in die Wildnis Kanadas und schließlich als Steilwandskifahrer und Höhenbergsteiger auf die Achttausender unserer Welt. Inzwischen lebt Furtenbach wieder in seiner Heimat Tirol.

Die Infrarotgondel ist im Verkauf von Physiotherm. Die integrierte Niedertemperatur-Infrarottechnik in der Physiotherm Infrarotgondel kann gesundes Schwitzen bereits ab 30°C ermöglichen und dabei schonend für den Kreislauf wirken. Dies kann zur Entspannung der Muskeln und Schmerzlinderung führen, das Immunsystem stärken sowie den Stoffwechsel anregen.