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So sitzen Sie richtig - nachgefragt bei Dr. med. Otto Pecher

Lange Bürotage, zu langes Sitzen, zu wenig Bewegung – viele kennen die Verspannungen und Rückenbeschwerden, die damit einhergehen. Im Interview erklärt Dr.med. Otto Pecher, wie man Rückenbeschwerden im Büroalltag vorbeugen kann

Gesundheit | Julia Kopp | 9 Monaten ago

Büroarbeit gilt nicht als gefährlich, trotzdem kämpfen viele Schreibtischtäter mit gesundheitlichen Problemen. Wie sieht eine ideale Sitzgelegenheit im Büro aus?

Die ideale Sitzgelegenheit kann es im Grunde nicht geben. Zum einen ist der menschliche Körper nicht für längeres Sitzen konzipiert und zum anderen ist er in seinen Maßen leider nicht genormt.

Es ist wichtig, dass man sich „beim Sitzen“ so viel wie möglich bewegt und auch die Sitzposition mehrmals am Tag verändert. Moderne Sitzgelegenheiten versuchen diesem Widerspruch nachzukommen:

  • Vielfältige Einstellmöglichkeiten zur individuellen Anpassung, um den Körper in verschiedenen Positionen zu stützen und jeweils ein entspanntes Sitzen zu ermöglichen.
  • Seitlich kippende Sitzflächen erlauben dazu eine Beweglichkeit im Wirbelsäulenbereich, die einseitigen und vor allem statischen Belastungen entgegenwirkt und zur Kräftigung des Muskelbandapparates beiträgt.
  • In die Rückenlehne integrierte Infrarotelemente zur lokalen Wärmeapplikation können die Entspannung der Muskulatur fördern und bieten darüber hinaus weitere gesundheitspräventive Ansätze.

Welche gesundheitlichen Konsequenzen hat die schlechte Sitzhaltung?

Eine schlechte Sitzhaltung führt schnell zu Verspannungen der Wirbelsäulenmuskulatur sowie zu Fehlbelastungen der Bandscheiben und des Bandapparates. Die Folge können schmerzhafte Bewegungseinschränkungen sein, die einen „Teufelskreis“ aufbauen, der bis zu entzündlichen Veränderungen an der Wirbelsäule führen kann.

Wie wirkt sich permanent falsche Kopfhaltung auf die Gesundheit aus?

Neben dem Lendenwirbelbereich ist heute durch die Computerarbeit vor allem die Halswirbelsäule stark beansprucht. Eine schlechte Ergonomie führt hier schnell zu migräneartigen Spannungskopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Erschöpfung und Schlafstörungen.

Wohin führt bewegungsloses Sitzen?

Bewegungsloses Sitzen wirkt sich negativ auf die Statik der Wirbelsäule aus und behindert vor allem unter Belastung die Versorgung der Bandscheiben.

Die Muskulatur und die Bänder zwischen den Wirbelkörpern bilden sich zurück (werden schwächer) und können ihre Funktion – die Stabilisierung der Wirbelsäulenstatik – nicht mehr im erforderlich Umfang wahrnehmen.

Das Bandscheibengewebe ernährt sich durch Diffusion aus den umgebenden Strukturen. Ähnlich einem Schwamm muss eine ständige Be- und Entlastung erfolgen, um eine gute „Durchsaftung“ und damit optimale Ernährung zu erreichen.

Kann man Rückenprobleme am Arbeitsplatz vorbeugen?

Dies sollte die Aufgabe der betrieblichen Gesundheitsvorsorge, die auf die verschiedenen Arbeitsplatzsituationen eingehen und entsprechende Hilfsmittel und Trainingsprogramme (z.B. Rückenschule) zur Verfügung stellen muss.

Beim Büroarbeitsplatz ist die Grundvoraussetzung eine individuell-ergonomische Gestaltung. Dazu gehört eine Sitzgelegenheit, die im Wirbelsäulenbereich eine Beweglichkeit erlaubt, den Körper aber dennoch in verschiedenen Sitzpositionen optimal stützt.

Kurze Übungsprogramme zur Dehnung und Kräftigung sind sinnvoll und nicht nur in der Prävention hilfreich. Man kann sie vom Kollegen unbemerkt regelmäßig durchführen.

Eine lokale Wärmeapplikation im Rückenbereich kann präventiv wirken, die Muskulatur entspannen und schmerzhafte Bewegungseinschränkungen lindern.

In Hinblick auf die angesprochenen Dehnungs- und Kräftigungsübungen kann die lokale Wärmeapplikation deren Effizienz steigern.

Wie sieht der optimale Büroarbeitsplatz aus?

Der Büroarbeitsplatz sollte die Möglichkeit bieten, sich viel zu bewegen und immer wieder aufzustehen. Z.B. kann das Umherlaufen während eines Telefonats nicht nur entlasten, sondern zudem die „Awareness“ gegenüber dem Gesprächspartner erhöhen.

Der Schreibtisch höhenverstellbar sein und der Bürostuhl mit entsprechenden Einstellmöglichkeiten aktuellen Ergonomieanforderungen Rechnung tragen. Interessant sind Bürostühle mit seitlich kipp-beweglichen Sitzflächen sowie in die Lehne intergierten Infrarotelementen.

Dr. med. Otto Pecher ist Leiter der medizin-wissenschaftlichen Abteilung bei Physiotherm.